
Die in Nidda beheimatete Mezzosopranistin Rebecca Sol (Mitte) gestaltete gemeinsam mit Irina Schatylo und Robert Varady das Neujahrskonzert im Parksaal von Bad Salzhausen. Bild: Maresc
Mit Klassik, modernen Stücken und Eigenkompositionen gefallen
Rebecca Sol, Irina Schatylo und Robert Varady gestalteten Neujahrskonzert im Parksaal
BAD SALZHAUSEN (em). 150 Zuhörer waren zum Neujahrskonzert mit Rebecca Sol und dem "Duo Bravo", Irina Schatylo (Klavier, Keyboard) und Robert Varady (Geige, Gitarre), gekommen. Sie freue sich, sagte Heidelore Ocken-Wilisch vom Kulturmanagement der Stadt Nidda, dass ein abwechslungsreiches Programm von Klassik bis zu aktuellen Titeln entstanden sei. Einen Termin für ein Konzert mit Rebecca Sol zu finden, sei nicht ganz einfach gewesen. Die Künstlerin wohnt zwar in Nidda, ist aber durch vielfältige Engagements im In- und Ausland gebunden. Die attraktive Mezzosopranistin hat eine klassische Gesangsausbildung, tritt aber auch häufig im Rock- und Pop-Bereich und mit Eigenkompositionen auf. Die Pianistin Irina Schatylo, aus der Ukraine stammend, wurde ebenso an der Musikhochschule ausgebildet wie der Ungar Robert Varady. Die beiden gestalten viele musikalische Veranstaltungen in Bad Salzhausen und sind musikalisch wie privat ein gutes Paar.
An der erwartungsvollen Atmosphäre im Saal war zu spüren, dass die Interpreten keine Unbekannten sind und eine große Fangemeinde in der Region haben.
Der Teil des Winters aus Vivaldis "Vier Jahreszeiten" stand am Konzertanfang. Lautmalende Staccati von Geige und Klavier ließen an knirschenden Schnee und frostige Windstöße denken, das winterliche Textbild sang Rebecca Sol. "Casta Divina" - mit einem Klavierstück aus Bellinins "Norma" zeigte Irina Schatylo meisterliche Spieltechnik, Sol spielte die Querflöte. Für eine Pavane von Maurice Ravel hat die Sängerin einen deutschen Text geschrieben. Ein Bravourstück, die "Scherzo-Tarantella" von Wieniawski, folgte. Etliche Salzhäuser haben Varady den liebevollen Spitznamen "Teufelsgeiger" gegeben, und die Fähigkeit, extrem schnelle Läufe temperamentvoll und gekonnt zu spielen, zeigte er auch hier. Die Klavierbegleitung rundete die effektvolle Komposition ab. "O mio bambino caro" - mit einer Arie aus Puccinis "Gianni Schicci" zeigte Rebecca Sol, dass sie auch eine Opernstimme, die Fähigkeit zu dramatischer Gestaltung hat. Bekannt und beliebt ist die "Pizzicato-Polka" der beiden Walzerkönige Strauß. Das präzise Zusammenspiel von Schatylo und Varady, dessen ausgefeilte Zupftechnik, verbunden mit einem Schuss Schauspielerei, begeisterten das Publikum. Und schon folgte die "Segedilla" aus Bizets "Carmen", und Rebecca Sol spielte den Part einer leidenschaftlichen, herausfordernden Frau, von der man jeden Augenblick den Beginn eines Flamenco-Tanzes erwartete.
"Jaj mamam!" - nach der Pause ging es mit einer Kálmán-Komposition weiter, die reizvolle Stimmungs- und Rhythmenwechsel zeigte und mit einem Prestissimo endete. Mit "Toujours l´amour" trug Rebecca Sol ein schmeichelnd-verliebtes Lied aus Abrahams Operette "Ball im Savoy" vor und begeisterte die Zuhörer mit Lehárs "Meine Liebe, Deine Liebe". Eine Eigenkomposition Robert Varadys, "Magyar föld" ("Ungarisches Land") folgte. Geige und Klavier zeichneten die Weite und Schwermut der Puszta, das Temperament der Menschen und ihrer Musik. Musicals sind nach wie vor sehr beliebt - ein Grund für das Trio auf der Bühne, die Besucher mit einem Potpourri beliebter Stücke von "One" aus "A Chorus Line" bis "Aquarius" aus "Hair" zu verwöhnen. Ein Freund Rebecca Sols hat den Text des Liedes "Kinder dieser Welt" verfasst. Zwei Eigenkompositionen der Mezzosopranistin folgten: "For my Baby" ist eine zärtliche Ballade, die sie ihrem Sohn gewidmet hat, und mit "God sent you" stattet sie musikalischen Dank für eine zuverlässige Freundschaft auch in Krisenzeiten ab. "Zaubergeige" hat Varady eine bravouröse Eigenkomposition genannt, mit der die rechte Hand die Melodiestimme spielt, oft Imitation des Lerchenrufes, die linke gekonnte Pizzicati zupft. Die Klavierstimme unterstreicht den Rhythmus dieses schnellen, effektvollen Walzers. Und noch ein wenig Gefühl aus dem Land von Csardas, Puszta- und Zigeunerromantik. "Magyar szerelem" ("Ungarische Liebe") hatte Varady die folgende Komposition betitelt. "Time to say goodbye" wurde zwar mitreißend gespielt, aber vom Publikum gar nicht gern gehört, und ohne Zugaben kam das Trio nicht von der Bühne.
Quelle: Kreis Anzeiger 09.01.2007